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Deutschland, ein kleiner Club der Optimisten

Die Weltbank spricht von Rezession in der Euro-Zone. In Deutschland könne davon aber keine Rede sein, sagt der Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts der Bunderregierung Mitte Januar. Die Konjunktur werde lediglich eine Delle bekommen, zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ). Nach einem Mini-Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,1 Prozent im ersten Quartal des neuen Jahres werde es wieder bergauf gehen. "Deutschland bleibt weiter der Anker für Stabilität und Wachstum", erklärt der Ressortchef.

Um 3 Prozent ist das BIP in Deutschland 2011 im Vergleich zum Vorjahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) gestiegen. Die Wachstumsimpulse kamen vor allem aus dem Inland. Private Konsumausgaben und Investitionen haben sich als Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung erwiesen, so die Behörde. Eine Eins vor dem Komma ab der zweiten Jahreshälfte hält Hans-Peter Keitel, Präsident beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), beim BIP 2012 für möglich: "Aus realwirtschaftlicher Perspektive besteht für eine erneute Krise kein Anlass. Die deutsche Industrie ist stark." Die Mehrheit erwarte einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,4 und 0,8 Prozent. Verlaufe das Jahr ohne gravierende externe Schocks und stelle die Politik die richtigen Weichen, sei ein höheres Wachstum durchaus möglich, ohne dabei die aktuelle Lage schön zu reden, sagte Keitel bei der Auftaktpressekonferenz 2012.

Die globalen Konjunkturaussichten, ebenfalls Mitte Januar von der Weltbank vorgelegt, klingen deutlich weniger optimistisch: 2012 werde ein turbulentes Jahr, dessen Wirtschaftswachstum zwar von den Schwellenländern getragen werde, allerdings auf ein niedrigeres Niveau zusteuere. Denn mittlerweile werden die Schwellenländer von der europäischen Staatsschuldenkrise erfasst. Für diese Länder prognostiziert die Weltbank 2012 ein Wirtschaftswachstum von 5,4 Prozent, den zweitniedrigsten Wert innerhalb der letzten zehn Jahre. Für die Industrienationen revidierte das Institut seine Wachstumsaussichten auf nur noch 1,4 Prozent. Für die einkommensstarken Länder der Euro-Zone sieht die Weltbank für dieses Jahr sogar einen Rückgang von 0,3 Prozent.

Die schwächere Konjunktur spiegelt sich in einem reduzierten Welthandel wider. Sei der globale Warentransfer 2011 um 6,6 Prozent gestiegen - nach einem Plus von 12,4 Prozent im Jahr 2010 -, könne 2012 nur mit einer Zunahme des Handelsvolumens um 4,7 Prozent gerechnet werden. 2013 werde der Handel dann wieder um 6,8 Prozent zulegen.

Die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ) berichtet im Januar auch für Deutschland von einem schwächeren Importzuwachs und zitiert den Logistikexperten Christian Kille von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Der Wissenschaftler gibt sich beim Blick auf Deutschland im Gegensatz zu Wirtschaftsminister und BDI-Präsident weniger zuversichtlich: Mehrere industrierelevante Güter verzeichneten bereits Rückgänge, was "ein starkes Indiz für ein sich abkühlendes Wirtschaftsklima" sei.

Allerdings sei der Einfluss der im Zusammenhang mit der EU-Schuldenkrise unter besonderer Beobachtung stehenden Ländern - Irland, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland - nicht gravierend: Obgleich Deutschland aus der EU rund die Hälfte aller Importe beziehe und Schwankungen sich direkt bemerkbar machen können, wuchsen in den ersten drei Quartalen 2011 die Importe aus Irland um 49,1 Prozent, aus Italien um 14,5 Prozent, aus Spanien um 11,4 Prozent und aus Portugal um 0,7 Prozent. Lediglich aus Griechenland gingen die Einfuhren um 5,5 Prozent zurück.

Für die Seeschifffahrt von größerer Bedeutung als die Situation des Gütertransfers innerhalb Europas dürfte die Entwicklung Chinas sein. Hier meldet die Weltbank, dass der Exportweltmeister, zweitgrößte Volkswirtschaft nach den USA, seine Wachstumserwartungen ebenfalls zurückschraube: Wegen der Schuldenkrise könne die Volksrepublik weniger nach Europa, den wichtigsten Absatzmarkt des Landes, transportieren.

Wie jedes Jahr haben die Befrachtungsaktivitäten zum Jahreswechsel spürbar nachgelassen. Die Zahl der gemeldeten Zeitcharterabschlüsse für Containerschiffe sei auf dem Jahrestiefststand, während die Zahl der beschäftigungslosen Schiffe weiter gestiegen sei, schreibt das Branchenmagazin HANSA. Derzeit werden überwiegend Charterverträge mit kurzen Laufzeiten geschlossen, so dass die Schiffe schneller zurück in den Markt kommen. Erschwerend komme hinzu, dass nach und nach langfristige Charterverträge auslaufen; hier werde die Spitze der Rücklieferungen von März bis Mai erwartet. Angesichts der eher gedämpften Aussichten der Weltwirtschaft sei fraglich, zitiert HANSA einen Hamburger Makler, ob der Markt genügend Schwung habe, um alle Schiffe aufzunehmen.

Die Einschätzung des Branchendienstes Alphaliner bestätigt, dass 2012 für die Containerschifffahrt ein schwieriges Jahr wird. Die Nachfrage nach Transportvolumen in Europa und den USA werde schwächer, ebenso beim Handel zwischen Fernost und Europa. Dort werde die Nachfrage 2012 nur noch um 1,5 Prozent zulegen, gegenüber einem Zuwachs von 2,8 Prozent 2011. Grund: schwächere Wirtschaftsaussichten in Europa. Für Fernost-USA-Fahrten rechnet Alphaliner 2012 mit einem Zuwachs von 4,6 Prozent, nachdem das verschiffte Handelsvolumen 2011 um gerade 0,8 Prozent gestiegen sei.

2012 werde sich die Flotte durch etwa 250 Einheiten und über 1,4 Mio. TEU um 8,3 Prozent vergrößern (2011: 7,9 Prozent). Im Durchschnitt seien die Charterraten am Containerschiffmarkt 2011 um 39 Prozent gesunken. Zum Jahresbeginn waren Schiffe mit einer Kapazität von knapp 600.000 TEU ohne Beschäftigung - eine Zahl, die sich bis Ende 2012 auf 1 Mio. TEU erhöhen könne. Flottenwachstum und Kurzzeitchartern werden in diesem Jahr das Ratengefüge stärker als üblich beeinflussen - für die Reeder ein Jahr mit großen Herausforderungen.

In der Hansa-Hamburg-Flotte fahren mehrere im Feederverkehr eingesetzte Einheiten um 1.700 TEU. Gegen Ende Januar lag die durchschnittliche Einjahrescharterrate für Schiffe dieser Größe laut Containerschiffindex New ConTex bei rund USD 6.800 pro Tag (Mitte Vormonat: USD 7.200).

Quellen: Alphaliner Weekly Newsletter 02/2012, 03/2012; HANSA International Maritime Journal, Januar 2012; The World Bank, Global Economic Prospects, Januar 2012; DVZ v. 7. Januar 2012; BDI-Auftaktpressekonferenz v. 19. Januar 2012; Destatis, Pressmitteilung Nr. 10 v. 11. Januar 2012; Süddeutsche Zeitung v. 20. Januar 2012; Containerschiffsindex New ConTex, www.vhss.de/contex.php.

Iran sorgt für Unruhe auf dem Ölmarkt

Die Allianz für ein Ölembargo gegen den Iran nimmt zum Jahresbeginn Formen an: Am 23. Januar verhängte die EU ein Importverbot für iranisches Öl und beschloss, das Vermögen der iranischen Zentralbank einzufrieren und ihr Geschäfte mit der EU zu untersagen. Das Land solle zum Einlenken im Atomstreit bewegt werden, weil es im Verdacht stehe, unter dem Deckmantel eines Programms zur Energiegewinnung tatsächlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Die EU-Staaten haben sich deshalb vorgenommen, die wichtigste Einnahmequelle des fünftgrößten Erdölexporteurs der Welt nach und nach zum Versiegen zu bringen, berichtet die SZ. Die EU sei nach China mit einer Importmenge von rund 0,6 mb/d (Mio. Barrel pro Tag) wichtigster Absatzmarkt für iranisches Öl, der Druck auf das Land sei daher erheblich.

Das Embargo solle innerhalb von sechs Monaten in Kraft treten, das Importverbot für petrochemische Produkte innerhalb eines Vierteljahres. Bestehende Verbindlichkeiten gegenüber europäischen Ländern dürfe der Iran jedoch mit Öl begleichen, so die SZ. Während China und Russland weiterhin Öl aus dem Mitgliedsland der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) beziehen, werde Japan, das ein Zehntel seines Öls von dort beziehe, dagegen seine Importe zurückfahren. Allerdings wollen auch China und Russland eine neue Bedrohung durch Atomwaffen des Iran verhindern, ebenso wie viele Nahoststaaten, die kein Interesse an einer neuen Hegemonialmacht haben.

Innerhalb der EU ist die Haltung zu diesem Schritt uneinheitlich: So äußern hauptsächlich die verschuldeten Mitglieder Griechenland, Italien und Spanien Bedenken beim Embargo. Der Nachrichtendienst Bloomberg zitiert Daten der EU-Kommission, nach denen diese Länder mit einem Anteil von 68,5 Prozent innerhalb der Union die größten Abnehmer von iranischem Öl sind und nun volkswirtschaftliche Nachteile fürchten. An der weltweiten Tagesproduktion von Öl hat der Iran einen Anteil von über 5 Prozent. Iran versorgt neben der EU und China außerdem die überdurchschnittlich prosperierenden Länder Indien und Südkorea.

Die Iran-Krise sei einer der geopolitischen Faktoren, der die Ölpreise nach oben katapultieren könne, heißt es beim Energie Informationsdienst (EID). Als Reaktion auf die Sanktionen drohe der Iran damit, die Straße von Hormuz aus dem Persischen Golf heraus für Öltransporte in Richtung Golf von Oman, Arabisches Meer und in den Indischen Ozean zu sperren. Durch diese Meerenge werden laut EID je nach Marktlage zwischen 20 und 40 Prozent des Weltölbedarfs verschifft. Wegen der enormen Bedeutung dieser Route haben die USA angekündigt, diese gegebenenfalls mit militärischen Mitteln offen zu halten. Die Produktionsmenge des Iran, nach Saudi Arabien zweitgrößter Produzent innerhalb der OPEC, ist nach Angaben des der Organisation seit einiger Zeit rückläufig: 2010 waren es durchschnittlich 3,71 mb/d, 2011 noch 3,62 mb/d.

Um die fehlenden iranischen Ölmengen zu kompensieren, habe man bei Saudi-Arabien angefragt, heißt es aus der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Königreich wolle sich jedoch nicht in diese politischen Belange einmischen. Man bediene aber den Markt weiterhin mit der Ölmenge, die nachgefragt werde; die saudische Ölpolitik sei in diesem Zusammenhang rein wirtschaftlich ausgerichtet. Die Bitte um Kompensationslieferungen beantwortete das arabische Königreich diplomatisch mehrdeutig: Man möchte das Problem nach Art des Sankt-Florian-Prinzips an die Konfliktparteien zurückreichen. Mit 30,89 mb/d war die Ölproduktion der OPEC im vergangenen Dezember jedenfalls so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr, nicht zuletzt wegen zusätzlicher Mengen aus Saudi-Arabien.

Die Sorge vor einem militärischen Eingreifen zur Lösung des Iran-Konflikts könnte sich auf den Tankermarkt auswirken, berichtet die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ). Angesichts höherer Risiken und der Verunsicherung über die Verfügbarkeit ausreichender Tonnage konnten Eigentümer und Operateure großer Rohöltanker zum Jahreswechsel leichte Ratensteigerungen durchsetzen. Allerdings könne sich die Lage für den Tankschiffmarkt rasch umkehren, sollte der Iran die Meerenge von Hormuz tatsächlich blockieren. Das könne für einen kurzfristigen Einbruch von Schiffstransporten aus dem Persischen Golf, steigende Ölpreise und eine sich verstärkende weltweite Rezessionstendenz sorgen, schreibt die DVZ.

Der Schiffsmakler Poten & Partners berichtet, dass das per Schiff transportierte Ölvolumen des Iran, ähnlich wie die sinkende Produktion, innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 37 Mio. auf 28. Mio. Tonnen gesunken sei. Der Seetransport liege in den Händen der staatlichen National Iranian Tanker Company (NITC), und lediglich 20 Prozent des täglichen Volumens von 2,4 mb/d werde über den freien Markt verchartert. Deswegen rechnen wir damit, dass die Auswirkungen auf das Ratenniveau für den Rohöltransport aus dem Iran geringer sind als eventuelle Konsequenzen für den Produktentransport von Raffineriestandorten, die auf die Verarbeitung des iranischen Öls angewiesen sind.

Für Hansa Hamburg fahren Rohöl- und Produktentanker verschiedener Größen. Für diese Segmente ermittelte der Schiffsmakler ACM Mitte Januar den jeweiligen Ratendurchschnitt für Einzelreisen (Zeitcharteräquivalent): für Suezmax-Rohöltanker rund USD 27.000 (Vormonat: USD 21.800), für LR1-/Panamax-Produktentanker USD knapp 7.500 (Vormonat: USD 9.800) und für MR1-Produktentanker ("west") USD 15.600 (Vormonat: USD 19.850) pro Tag. Als theoretische Einjahreszeitcharterrate errechnete ACM für Rohöltanker der Größe Suezmax eine gegenüber dem Vormonat unveränderte Rate von USD 16.000, für die Größe LR1/Panamax eine gleich bleibende Zwölfmonatsrate von USD 12.500 und für MR1-Produktentanker ebenfalls eine unveränderte Rate von USD 12.000.

Quellen: ACM Period Report v. 20. Januar 2011; Poten & Partners, Weekly Tanker Option v. 13. Januar 2012; EID 01/12 v. 2. Januar 2012; OPEC, Monthly Oil Market Report January 2011; Bloomberg, China's Wen to Juggle Iran Oil Need v. 14. Januar 2012; DVZ v. 10. Januar 2012; Süddeutsche Zeitung v. 13., 23. Januar 2012.

Guter Abschluss in undurchsichtigem Markt gelungen

Selbst Wahrsager haben es momentan schwer mit Prognosen für das Jahr 2012: Die Bandbreite der Vorhersagen reicht vom wirtschaftlichen Kollaps, hervorgerufen durch Euro-Verfall und europäische Schuldenkrise, bis zur Bewältigung dieser Finanzkrise, zu neuem Vertrauen in die Märkte und einer ökonomischen Erholung, die stärker ausfällt als gedacht. Hier einige unterschiedliche Ansichten:

Einen positiven Ausblick geben die Experten von ICIS Chemical Business. Der US-Markt für Petrochemikalien profitiere momentan von einer Verkettung unterschiedlicher wirtschaftlicher Umstände. Das häufig zum Heizen verwendete Gas Ethan sei, wegen seiner Bindung an den Erdgaspreis, im Vergleich zum Erdöl günstig. Die überwiegend auf Erdölbasis hergestellte Petrochemikalie Ethylen wiederum - entscheidende Basis für die Kunststoffproduktion - ist wegen der Koppelung an den Ölpreis derzeit teuer. Da das Gas Ethan zugleich als Grundstoff für die Produktion von Ethylen dienen kann, profitiere die petrochemische Industrie in den USA von der Spanne zwischen den günstigen Rohstoffkosten für Ethan und dem hohen Preis für Ethylen. In Europa wird Ethylen vornehmlich aus dem teureren Erdöldestillat Naphtha (Rohbenzin) gewonnen.

Optimistisch gibt sich Wim Roels. Er ist Geschäftsführer bei Borouge, einem Joint Venture zwischen der Abu Dhabi National Oil Company und einem der führenden Hersteller von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP), dem österreichischen Petrochemiekonzern Borealis. Trotz der europäischen Schuldenkrise und des gebremsten Weltwirtschaftswachstums werde die Nachfrage in Asien und im Nahen Osten prozentual im moderaten einstelligen Berich wachsen, vermutet Roels. 2012 sei ein Nachfragezuwachs nach PE und PP zwischen 5 und 6 Prozent in Asien möglich. Grund dafür sei die steigende Binnennachfrage in China, Indien und Indonesien sowie im Nahen Osten.

Zwar sei die Nachfrage nach Polyolefinen - thermoplastische Kunststoffe aus Ethylen, Propylen oder Buten - 2011 leicht rückläufig gewesen, doch werde sich diese Tendenz 2012 wahrscheinlich nicht fortsetzen. Seinen Optimismus begründet Borouge-Chef Roels mit der Annahme, dass die Länder in Asien weiterhin überdurchschnittlich wachsen werden, Europa endlich einen Ausweg aus der finanziellen Schieflage finde und sich in den USA der aktuelle Trend eines leichten Wirtschaftswachstums fortsetzen werde.

Konkret verspricht sich Roels vom Trend der Urbanisation in Asien eine steigende Nachfrage nach Kunststoffen und Petrochemikalien. In den asiatischen Metropolregionen, in denen mittlerweile um die 20 Mio. Menschen leben, werde allein durch die Versorgung mit Lebensmitteln und Konsumgütern die Produktion von Verpackungsmaterial erheblich zunehmen. Zudem habe die chinesische Regierung bereits Schritte unternommen, um sowohl die Inflation im Land zu bekämpfen als auch das Wirtschaftwachstum zu strukturieren und zu verwalten. Die Volksrepublik ziehe einem "ungesunden" ökonomischen Anstieg, verbunden mit der Gefahr eines starken Abschwungs, ein maßvolles Wachstum vor.

Deutlich zurückhaltender sind die Verantwortlichen der US-amerikanischen Konzerne Dow Chemical, Eastman Chemical und der Unternehmensgruppe INEOS. Zwar rechnen die Experten nicht mit einem Abschwung wie 2008/2009, aber der Rückgang während der zweiten Jahreshälfte 2011 werde sich noch bis in die zweite Hälfte von 2012 fortsetzen, sagt Robert Wang, INEOS-Manager in China. LRS Mani, Geschäftsführer von Eastman Singapore, hält "die Aussichten aus der Erfahrung eines Herstellers der Spezialchemie für nicht besonders gut. Wir sehen Stagnation in China, vor allem seit dem vierten Quartal 2011, und Einschnitte bei den Investitionen." Vorsichtig äußert sich auch die Branchenplattform ICB. Gerade Chinas Wirtschaftsprognose habe sich wegen des verminderten Wachstums global vernetzter Industriezweige eingetrübt. Wenn das Land seine Hauptexportmärkte USA und Europa betrachte, dann seien dort keine Anzeichen für einen einschneidenden, positiven Wandel erkennbar, heißt es beim ICB. Dennoch gebe es zum Jahreswechsel 2011/2012 einige positive Anzeichen: einen Anstieg beim Wohnungsbau in den USA und die wirtschaftliche Stärke Deutschlands als größter europäischer Volkswirtschaft.

Fazit: Zumindest für die nächsten Monate sind die Aussichten uneinheitlich. Den - zeitlich begrenzten - negativen Entwicklungstrends, die sich aus der europäischen Schuldenkrise ergeben, steht der langfristig steigende Nachfrageschub in Asien positiv gegenüber. Der Bedarf an kunststoffbasierten Produkten wird in den asiatischen Metropolregionen über verschiedene Märkte hinweg - von der Automobil- über die Bau- bis zur Konsumgüter- und Verpackungsindustrie - noch auf Jahre überdurchschnittlich hoch sein.

Das Maklerhaus Inge Steensland berichtet von einem aktiven Spot-Markt mit Ethylen-, Propylen- und C4-Ladungen für Flüssiggastankschiffe westlich des Suezkanals sowie von kurzzeitig kaum verfügbarer Tonnage östlich davon. Die aus dem Ethylen- und Gastransport der Reederei Eitzen hervorgegangene Reederei Evergas hat laut Inge Steensland vier weitere Ethylen-Tanker in Auftrag gegeben und wartet nun auf insgesamt 19 Neubauten in diesem und im nächsten Jahr. Die georderten Schiffe haben ein Volumen von bis zu 17.000 Kubikmetern.

In der Hansa-Hamburg-Flotte fahren ebenfalls moderne 17.000-Kubikmeter-Flüssiggastankschiffe mit separaten Ladetanks zum gleichzeitigen Transport verschiedener Chemikalien, außerdem der für den Transport von LPG (Liquefied Petroleum Gas; sog. Autogas) gebaute Tanker MT "Queen Zenobia" mit einem Ladevolumen von 22.800 Kubikmetern. Der Schiffsmakler Fearnleys verzeichnete Mitte Januar für Schiffe dieser Ladungen und Größen eine durchschnittliche monatliche Charterrate von USD 740.000 (durchschnittliche Spot-Raten für LPG- und Petrochemikalientanker mit Größen zwischen 15.000 und 23.000 Kubikmeter). Hansa Hamburg konnte, beginnend mit dem ersten Quartal 2012, eine zweijährige Zeitcharter für das 17.000-Kubikmeter-Tankschiff "GasChem Nordsee" von monatlich USD 830.000 abschließen - vor dem Hintergrund der beschriebenen ungewissen Markt- sowie der damit einhergehenden Befrachtungs- und Ratenentwicklung und eingedenk des wachsenden Größensegments ist ein bemerkenswerter Abschluss gelungen.

Quellen: Inge Steensland, Gas Market Report v. 13., 20. Januar 2012; Evergas, Press Release v. 16. Dezember 2011; ICIS news, Interview Wim Roels, 14. Dezember 2011; ICIS Chemical Business, Commentary: US Petrochemical producers v. 16. Januar 2012; ICB, China still attracts all the petrochemical attraction, 23. Januar 2012; ICB, Two-way outlook 2012, 28. Dezember 2011.