Containerschiffmarkt

Quo vadis, Weltwirtschaft?

"Sicher ist, dass gar nichts sicher ist. Selbst das nicht." Joachim Ringelnatz hatte damit wohl kaum den Beginn des Jahres 2015 im Sinn – trotzdem könnte man seine Worte als Motto für diesen Januar mit all seinen Vorhersagen, Spekulationen und Ereignissen gelten lassen. Selten hat ein Jahr so bewegt begonnen, selten war die Verunsicherung an allen Fronten so groß. Aber der Reihe nach:
Bereits im vergangenen Jahr ließ das plötzliche Erstarken der islamistischen Terror-Organisationen IS und Boko Haram die Welt aufhorchen. Die Gräueltaten sprengten jegliche Vorstellungskraft, einen solchen religiösen Fanatismus konnte hierzulande niemand nachvollziehen. Doch wie dem Terror zu begegnen sei, dazu herrschte kein Konsens. Verunsicherung, Fremdenfeindlichkeit und Angst führten im Dezember in Deutschland zur Formierung der Protest-Bewegung PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), die tausende Menschen mobilisierte und auf die Straßen trieb – und vor der sogar die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache warnte: "Folgen Sie denen nicht, die dazu aufrufen! Denn zu oft sind Vorurteile, ist Kälte, ja, sogar Hass in deren Herzen!"
Dann kam der 7. Januar 2015 und die Situation verschärfte sich zusätzlich: Zwölf Menschen starben beim Attentat auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo, getötet von Kämpfern des "Islamischen Staates". Dass am gleichen Tag ein noch ungleich größeres Massaker an schätzungsweise bis zu 1000 Menschen in Nigeria durch Boko Haram verübt wurde, ging in der Berichterstattung um die Pariser Anschläge beinahe unter. Wie befürchtet kam es in den darauf folgenden Tagen vermehrt zu Drohungen und Attacken gegen Muslime und muslimische Einrichtungen – aber auch zu einer kraftvollen Gegenbewegung: Überall in Europa gingen Menschen für Pressefreiheit, Toleranz, Frieden und Akzeptanz auf die Straße – "Je suis Charlie" war das Motto dieser Tage. Und noch immer füllen die Demonstrationen sowohl von PEGIDA als auch noPEGIDA die Straßen der Bundesrepublik.

Tankermarkt

Warten auf den Jo-Jo-Effekt

Was sich viele im Januar vom eigenen Körpergewicht erhoffen, macht stattdessen der Ölpreis vor: Er fällt. Und zwar so dauerhaft und kontinuierlich wie es sich auch ausgewiesene Öl-Experten nicht hätten vorstellen können. Mittlerweile liegt der Preis der Rohölsorte Brent bei 48 US-Dollar pro Barrel (ein Barrel entspricht 157 Litern) – das ist der niedrigste Stand seit März 2009.
Hauptsächlich wird der sich im freien Fall befindende Ölpreis durch ein zu großes Angebot und eine zu geringe Nachfrage erklärt. Und natürlich ist da einiges dran: Das Fracking in Nordamerika hat zu einem Boom in der Ölförderung geführt, im Herbst letzten Jahres holten die USA laut der WELT erstmals mehr Öl aus dem Boden als Saudi-Arabien. Möglich war dies freilich nur, weil sich der Ölpreis über Jahre hinweg relativ stabil auf hohem Niveau hielt und die hohen Investitions- und Förderkosten decken konnte. Denn Fracking war und ist eine kostspielige Angelegenheit, es rentiert sich erst ab einem Ölpreis von etwa 65 USD pro Barrel, so die Schätzung von Experten.
Und auch aus dem Nahen Osten, beispielweise aus Syrien, bricht der Ölstrom trotz Krieg und Terror nicht ab. Der Islamische Staat nutzt das Öl zur Finanzierung seiner terroristischen Aktivitäten und ist an einer hohen Ölförderquote entsprechend interessiert.

Flüssiggastankermarkt

Das Ende der Schwefelwolken

Schwefel hat ein Imageproblem. Zwar wurde es bereits vor etwa 5.000 Jahren als Arzneimittel und zur Desinfektion verwendet – im kollektiven Gedächtnis ist es aber vor allem als fester Bestandteil der Hölle verankert. Im Buch der Offenbarung 21, 8 heißt es: "Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner – ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein. Dies ist der zweite Tod."
Aber natürlich gab nicht unsere kulturell geprägte Abneigung gegen Schwefel den Ausschlag für strengere Emissionsrichtlinien im Seeverkehr, sondern die umwelt- und gesundheitsschädlichen Eigenschaften der Schwefeloxide.
Noch immer fährt ein überwältigender Anteil der Seeschiffe weltweit mit vergleichsweise billigem Schweröl – eigentlich ein Restprodukt, das in der Raffinerie nach dem Abdestillieren von z.B. Benzin und Kerosin vom Rohöl zurückbleibt. Diese zähe Masse ist reich an giftigen Stoffen, unter anderem enthält sie bis zu 5 % Schwefel. Bei der Verbrennung in der Maschine entstehen Schwefeloxide, die sowohl die Luft als auch als sogenannter "Saurer Regen" die Gewässer vor allem in Küstenregionen enorm belasten.