Gruß zur Weihnachtszeit

Skeptischer Blick durchs Tor zur Welt

Der Hamburger Hafen – das hanseatische Tor zur Welt – stand in der Vergangenheit stets für eine gesunde und kräftige Wirtschaft. Er ist die „Herzkammer der Hamburger Wirtschaft” und gleichzeitig einer der größten und bedeutendsten Seehäfen der Welt. Doch er kämpft. Er kämpft gegen Einbußen im Containerumschlag aufgrund des starken Handelsrückganges mit China und Russland, und er kämpft gegen den Schlick.
Im vergangenen Jahr verlor der Hamburger Hafen rund neun Prozent seines Containerumschlags und landete damit auf dem Niveau des Jahres 2006. Kurz vor Jahresende rechnete Hafen Hamburg Marketing (HHM) für das Gesamtjahr 2015 mit einem Containerumschlag von 8,8 Millionen TEU. Dies entspräche dem Umschlagsvolumen von 2006 und ließe den Hamburger Hafen auf Rang drei im Containerverkehr hinter Rotterdam und Antwerpen zurückfallen. 2014 noch hatte das Umschlagsvolumen bei 9,7 Millionen TEU gelegen.
Einen Mammut-Anteil an dem schlechten Ergebnis hatte der Handel mit China, dem größten Außenhandelspartner Hamburgs, dessen Volumen bereits in den ersten neun Monaten um ca. 15 Prozent zurückging. Dabei schrumpfte der Transitverkehr zwischen Asien und dem Ostseeraum im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent. Die Gründe für den Rückschlag im China-Handel sind laut Axel Mattern, HHM-Co-Geschäftsführer, sehr komplex. Die Wirtschaftsstruktur Chinas sei im Wandel – China werde mittelfristig deutlich weniger einfach zu fertigende Massengüter herstellen. Stattdessen erwartet Mattern eine Konzentration auf hochwertigere Wirtschaftsgüter, die dann aber zu weniger Gütervolumen und geringeren Wachstumsraten im Containertransport führen. Im starken Yuan sieht sein Co-Geschäftsführer Ingo Egloff eine weitere Exportbremse chinesischer Produkte nach Europa.

Tankermarkt

Des einen Freud ...

... ist des anderen Leid. Das Billigöl stellt derzeit die Weltwirtschaft auf den Kopf und macht aus früheren Gewinnern die heutigen Verlierer. Bereits Mitte Januar rutschte der Ölpreis der Nordseesorte Brent auf unter 31 US-Dollar je Barrel und damit auf den tiefsten Stand seit 12 Jahren. Seit Beginn des Preisverfalls Mitte 2014 ist damit die weltweit wichtigste Energiequelle um 70 Prozent billiger geworden. Nichts scheint derzeit mehr unmöglich, so prognostizierten bereits amerikanische Großbanken wie die Bank of America und Morgan Stanley sowie die Investmentbank Goldman Sachs kurzfristig Ölpreise von 20 bis 25 US-Dollar je Barrel.
Da wundert es natürlich nicht, dass das Tanken in Deutschland so günstig ist, wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Doch das ist nicht überall der Fall: Im Ölförderland Saudi-Arabien selbst sind die Benzinpreise an den Tankstellen um rund 40 Prozent gestiegen. Am 18. Januar kostete dort ein Liter rund 0,23 €. Zugegebenermaßen – für europäische Verhältnisse immer noch billig – für die Saudis aber Grund genug, sich in langen Schlangen an den Tankstellen einzureihen, um kurz vor Jahreswechsel noch einmal „günstig” vollzutanken. Hintergrund ist der Abbau staatlicher Subventionen – aufgrund der rapide sinkenden Erträge des Ölexporteurs kann sich das Königreich diesen Luxus nicht mehr leisten. Neben Saudi-Arabien gehören auch Russland, Venezuela und der Iran zu den Verlierern des Ölpreisverfalls.
Ende Dezember vergangenen Jahres wies der Staatshaushalt Saudi-Arabiens ein Rekorddefizit von 98 Milliarden US-Dollar aus. Man rechnet damit, dass das Defizit 2016 auf 87 Milliarden US-Dollar sinken wird. Auch die Aufhebung der strikten Wechselkursbindung des Riyal zum Dollar erscheint in Fachkreisen nun möglich. Darüber hinaus erwägt das Königreich, seinen staatseigenen Ölgiganten und evtl. wertvollstes Unternehmen der Welt, Saudi Aramco, an die Börse zu bringen, um so an dringend benötigtes Geld zu kommen. Denn Saudi-Arabien hat mit weiteren Problem zu kämpfen: Seine Erdölreserven sind endlich, die Auflagen des Klimaschutzes machen den langfristigen Ausstieg aus der Ölförderung unvermeidbar und die Bevölkerung Saudi-Arabiens wächst rasant. Mehr als die Hälfte der Saudis ist jünger als 25 Jahre, das Bildungssystem eher schlecht und laut der Beratungsfirma McKinsey benötigt das Land in den kommenden Jahren rund 4,5 Millionen neue Jobs, die es erst aufzubauen gilt. Hinzu kommt der kostenintensive Krieg gegen den Jemen, der täglich rund 200 Millionen Dollar verschlingt. Sollte dieser Krieg und die damit einhergehenden Ausgaben unvermindert anhalten, könnte in bereits 5 Jahren einer der reichsten Staaten der Welt bankrott sein.

Flüssiggasmarkt

In der Pharma- und Chemiebranche tut sich was

Eine Stichflamme blendet auf, es knallt, stinkt und eine undefinierbare Masse entsteht. Manchmal liegt sogar ein Geruch von verbrannten Haaren in der Luft – dann war jemand dem Bunsenbrenner zu nah gekommen. So manch einen 7- bzw. 8-Klässler wird dies amüsiert oder abgeschreckt haben. Der ein oder andere Schüler mag in diesem Moment aber seine Berufung entdeckt haben und ist mittlerweile in der chemisch-pharmazeutischen Industrie tätig – einer Branche, die zu den Schlüsselindustrien in Deutschland zählt und die rund 11 Prozent des deutschen Industrieumsatzes erwirtschaftet.
Genau in dieser Branche tut sich derzeit extrem viel, denn in der Chemie- und Pharmaindustrie tobt ein Übernahmefieber. 2015 kann als das „Jahr der Fusionen” in die Geschichte eingehen. Eine Analyse des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG, deren Zahlen auf Thomson Reuters basieren, kommt auf Fusionen und Übernahmen im Wert von rund 372 Mrd. US-Dollar und damit im Vergleich zu 2014 auf eine Zunahme von 74 Prozent. Einen großen Anteil an diesem Anstieg hatten einige wenige, sehr große Deals im Pharmasektor. Der Gesamtwert der 2015 abgeschlossenen Transaktionen belief sich auf 298 Mrd. US-Dollar und übertraf damit sogar deutlich das bisherige Rekordjahr 2000 mit dessen umgesetzten 253 Mrd. US-Dollar.
Ebenfalls im letzten Jahr wurde die Übernahme des Pharmakonzerns Allergan durch den US-Konzern Pfizer avisiert. Rund 160 Mrd. US-Dollar soll der größte Zusammenschluss in der Geschichte der Pharmaindustrie voraussichtlich kosten. Damit würde Pfizer sogar den Börsenriesen Johnson & Johnson überholen und mit seinen Produkten wie Viagra, Botox und Prevnar 13 sowie Medikamenten im Alzheimer-Bereich und gegen rheumatoide Arthritis einen jährlichen Umsatz von 65 bis 70 Mrd. US-Dollar erreichen – und hätte damit eine Größe erreicht, die sich mit dem Bruttoinlandsprodukt von Dänemark vergleichen ließe.