Containerschiffmarkt

Russland auf Konfrontationskurs

Ein "komplettes Embargo" für westliche Lebensmittel kündigte Russlands Ministerpräsident Dimitrij Medwedew Anfang August an. Und tatsächlich ist es den USA, der EU, Australien, Kanada und Norwegen seit drei Wochen untersagt, Fleich, Fisch, Milch, Käse, Obst und Gemüse nach Russland zu liefern. Dieser Einfuhrstopp ist die Reaktion auf die von westlichen Ländern verhängten Strafmaßnahmen gegen Russland im Ukraine-Konflikt. Darüber hinaus machte der Kreml klar, dass bei weiteren Sanktionen gegen Russland auch über ein Flugverbot westlicher Fluglinien über russisches Territorium und einen Einfuhrstopp westlicher Automobile nachgedacht wird. Schon länger steht es mit dem Handel in Russland nicht zum besten: ZEIT ONLINE berichtete bereits Mitte Juli, dass die Ukrainekrise drastische negative Folgen für die Handelsbeziehungen zwischen der Euro-Zone und Russland habe. Die Exporte aus den 18 Euro-Ländern seien im ersten Quartal um beachtliche 13 Prozent zurückgegangen und auch die Importe hätten nachgelassen. Russland sei das einzige Land, das im Frühjahr sowohl bei Ein- als auch Ausfuhren einen Rückgang verzeichnete. Und das war noch vor den Sanktionen, die die westlichen Länder gegen Russland verhängten – und anders herum. Eine Enspannung der Handelssitation ist in weite Ferne gerückt, erste Konsequenzen werden spürbar: Wie die Deutsche Schiffahrts-Zeitung berichtet, stellte der dänische Reedereikonzern DFDS zum 23. August seine erst kürzlich eingerichtete Fährverbindung zwischen Travemünde und dem litauischen Klaipeda ein. DFDS rechne mit einem deutlichen Rückgang an Frachtaufkommen und zu einer finanziellen Schieflage der Route aufgrund der aktuellen Handelssanktionen. Und allmählich leeren sich in Russland die Supermarktregale.

Tankermarkt

Gemeinsam gegen eine Epidemie

Für die Ärzte und Helfer muss es sich anfühlen wie ein Kampf gegen Windmühlen: Die bislang schwerste Ebola-Epidemie wütet weiterhin ungebremst in Westafrika. Erst Guinea, dann Liberia und Sierra Leone, Ende Juli der erste Fall in Nigeria – gegen das aggressive Virus, das innerhalb weniger Tage zum Tod führen kann, scheint kein Kraut gewachsen. Über 1.200 Menschen sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits an der Infektion gestorben. Eine kausale Behandlung der Krankheit oder eine Impfung existiert nicht. Noch nicht. Stattdessen wird die erkrankte Person mit Infusionen behandelt, die zumindest die drohende Dehydrierung verhindert. Dann heißt es warten und hoffen. So aggressiv das Virus auch ist – übertragen wird Ebola nicht über die Luft, sondern ausschließlich über Körperflüssigkeiten wie z.B. Speichel, Schweiß und Blut. Die Seuche einzudämmen, wäre also mit geeigneten Schutzmaßnahmen und Vorkehrungen vergleichsweise einfach. Doch in Westafrika lässt sich dieses Ass im Ärmel nur schwer ausspielen. Grund hierfür ist das tief verwurzelte Misstrauen gegenüber westlicher Medizin und ein ausgeprägter Totenkult. So werden an Ebola verstorbene, noch immer hochinfektiöse Angehörige in langen Trauer-Zeremonien beerdigt und dabei berührt und geküsst. Auch Verschwörungstheorien machen die Runde: Erst Mitte August sind Patienten mit Hilfe von aufgebrachten Bürgern aus einer Quarantänestation in Liberia geflüchtet. Die Bevölkerung sei der Ansicht, dass Ebola in West Point nicht existiere, berichtet die WELT. Die Präsidentin Liberias, Ellen Johnson Sirleaf, habe nach Ansicht der aufgebrachten Bürger nur ein Gerücht in die Welt gesetzt, um Gelder von ausländischen Hilfsorganisationen zu erhalten.

Flüssiggastankermarkt

Viva Mexico – reloaded

Vor einem Jahr – im August 2013 – berichteten wir unter der Überschrift "Viva Mexico – wenn die Reformen kommen" über das Vorhaben des mexikanischen Präsidenten Enrico Peña Nieto, das seit 1938 bestehende staatliche Ölmonopol abzuschaffen. Trotz großer Ölreserven, zum Beispiel in Offshore-Feldern im Golf von Mexiko, fehle dem Staatskonzern PEMEX (Petroleos Mexicanos) das technische Know-how und das Geld, um das vorhandene Potential zu erschließen und andere Rohstoffprojekte voranzutreiben, urteilte damals die US-Energiebehörde Energy Information Administration (EIA). Und der Branchendienst ICIS stellte fest, dass sich seit 2004 die Erdölprodution von 3,48 Mio Barrel pro Tag um ein Viertel auf etwa 2,5 Mio. Barrel verringert hatte. Weniger Ölproduktion stößt auf erhöhte Binnennachfrage: Dies hat auch Auswirkungen auf den ölverarbeitenden nationalen Raffineriesektor und die petrochemische Industrie. Laut Branchenverband ANIQ (Asociacion Nacional de la Industria Quimica) ergab sich 2011 ein Handelsdefizit für Petrochemikalien von USD 6,21 Mrd. Dieses könnte zwar durch eine Erweiterung der Produktionskapazitäten ausgeglichen werden – aber nur mit ausländischer Unterstützung: Ein Joint Venture zwischen dem mexikanischen Petrochemiekonzern IDESA und dem brasilianischen Konzern BRASKEM könnte die Lösung sein – wäre da nicht die strikte Gesetzeslage. Denn zur Herstellung von Polyethylen, das für das Handelsdefizit verantwortlich war, braucht man Ethan. Und das müsste wiederum importiert werden, da es in staatliche Ausschließlichkeit fällt. Das Handelsdefizit würde sich verlagern, geholfen wäre niemandem. Die Hoffnung der Industrie ruhte also auf Präsident Enrique Peña Nieto und seinem ambitionierten, kontrovers diskutierten Gesetzeswurf. Und tatsächlich: Anfang August dieses Jahres verabschiedete der mexikanische Kongress die umstrittene Energiereform – und stimmte damit für den größten Wirtschaftsumschwung seit Jahrzehnten.