Containermarkt

„Alarmstufe Rot”

Diese deutlichen Worte zum Weltklimagipfel Anfang November in Marrakesch fand Laurent Fabius, ehemaliger französischer Außenminister, bezüglich der Erderwärmung. Zur Erinnerung: Knapp ein Jahr zuvor hatten in Paris die Delegierten der UN-Staaten ein Klimaabkommen beschlossen, das beinhaltete, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius (möglichst auf 1,5 Grad Celsius) im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Ziel des Gipfels in Marrakesch war es, konkrete Schritte und Zeitpläne zu verabschieden. Und dieses Ziel wurde verfehlt. Einzig wurde festgehalten: Es besteht der feste gemeinsame Wille – sowohl von den wirtschaftlich starken als auch schwächeren Staaten –, den Klimaschutz voranzutreiben, und zwar unabhängig von der kommenden Rolle, die die USA unter der Führung von Donald Trump einnehmen wird. 45 Staaten haben angekündigt, dass sie bis Mitte des Jahrhunderts aus Kohle, Öl und Gas völlig aussteigen werden.
Bereits im Oktober, im Vorfeld des Gipfels, hatten sich fast 200 Nationen in Ruanda/Kigali darauf geeinigt, die klimaschädlichen FKW-Gase (Fluorkohlenwasserstoff) zu reduzieren. Diese kommen in der Natur nicht vor, sie sind „menschengemacht”. Einmal produziert sind sie jedoch extrem langlebig – und ihre Wirkung 100- bis 24.000-mal gravierender als die des Kohlendioxids. Zwar greift FKW nicht wie FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoff) die Ozonschicht an, aber es trägt massiv zur Klimaerwärmung bei. Deshalb feierten die Experten des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) den Beschluss zur Reduktion der FKW-Gase als größten Erfolg seit Ende des Pariser Klimagipfels. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach von einem „Meilenstein für den weltweiten Klimaschutz”.
Nun gilt es, Alternativen für die FKW-Gase zu finden, die als Ersatzstoffe des Ozonkillers FCKW vor allem in Kühlschränken und Klimaanlagen, aber auch in Kühlcontainern enthalten sind. Da rund 90 Prozent des Welthandels unverändert über den Schiffsverkehr abgewickelt wird und der Transport von tiefgefrorenen oder gekühlten Produkten, wie z.B. Lebensmitteln, vor allem in Kühlcontainern kontinuierlich zunimmt, besteht dringender Handlungsbedarf – egal ob die Container auf der Straße, Schiene oder per Schiff transportiert werden.

Tankermarkt

Fluch und Segen zugleich


Erst bescherte es Algerien ein festes Bruttoinlandsprodukt, jetzt stürzt es das Land in eine tiefe Krise: Die Rede ist vom Erdöl. Als flächenmäßig größter Staat des afrikanischen Kontinents (rund sieben Mal so groß wie Deutschland) ist Algerien mit seinen knapp 40 Mio. Einwohnern stark vom Energiesektor abhängig. Durch den anhaltenden Öl-Tiefpreis kommt Algerien nun ins Straucheln. Nur dem beträchtlichen Finanzpuffer des Landes ist es zu verdanken, dass größere Schäden bisher ausblieben. Doch Experten wie Dalia Ghanem-Yazbeck von Carnegie Endowment for International Peace zufolge schmelzen die Reserven des Landes wie „Schnee in der Sonne”. 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) stammen laut der Algerien-Expertin aus dem Verkauf des dort geförderten Gases und Öls. Das BIP Algeriens belief sich laut Angaben des German Trade & Invest (GTAI) im Jahr 2015 auf rund 175 Mrd. US-Dollar. In diesem Jahr, so die Schätzung der Gesellschaft, wird das BIP knapp 182 Mrd. US-Dollar erreichen.
Noch in den 2000er Jahren trugen das Öl und das durch ihn generierte Einkommen stark zur Stabilität des Landes bei. Aufgrund des Öl-Überangebotes brachen jedoch ab 2014 abrupt die Preise ein – und zwar bis zu 70 Prozent. Erst das Ende September 2016 in Algier abgehaltene Treffen der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) brachte wieder etwas Bewegung in die festgefahrene Lage. Erstmalig nach acht Jahren wurde beschlossen, die Förderung zu drosseln – auf eine konkrete Fördermenge je Land konnte man sich allerdings bisher nicht verständigen. Die Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen, dass die um 30 Prozent gesunkenen Einnahmen im Öl- und Gassektor Algerien 2015 ein Haushaltsdefizit von 16,4 Prozent bescherten – das höchste aller Zeiten. Nur aufgrund seiner geringen Auslandsschulden und einer wahrhaft großen Währungsreserve (vor der Krise die achtgrößte der Welt) konnte Algerien die Folgen der Krise bislang abfedern. Allerdings schrumpfte die Reserve laut IWF um knapp 35 Mrd. US-Dollar. Die Empfehlung des Internationalen Währungsfonds für Algerien sind weitreichende Reformen zur Diversifizierung der Wirtschaft: weg von der Öl- und Gasabhängigkeit, hin zur Förderung des Privatsektors, einer Verbesserung des allgemeinen Geschäftsklimas und einem Abbau von Investitionsbeschränkungen für ausländische Investoren. Der gleichen Meinung ist der Ökonom Lies Kerrar von der Finanzagentur Humilis Corporate Finance. Sollte die Diversifizierung in den kommenden drei Jahren ausbleiben, so Kerrar, bleibt vom Einnahmen-Regulierungs-Staatsfonds FRR (Le fonds de régulation des recettes), der die Milliarden der Ölverkäufe enthält, nichts mehr übrig.
Dringend verbessert werden müsste auch die Infrastruktur des afrikanischen Landes. Dazu gehören neben dem Ausbau von Straßen- und Schienennetz auch die Strom- und Wasserversorgung, der Wohnungsbau sowie der Bau eines neuen Containerhafens in Algier, der eine große strategische Bedeutung besäße.

Flüssiggasmarkt

Getrübte Zuversicht


Eine gute Portion Optimismus ist derzeit nötig, betrachtet man die Umschlagzahlen des Hamburger Hafens. Und nicht nur er schwächelt: Die Aussichten für die gesamte martime Branche sind alles andere als rosig. Zumindest, wenn man die Zahlen der Herbst-Konjunkturumfrage der IHK Nord zugrunde legt: Norddeutsche Reeder und Hafenwirtschaft äußern sich gleichermaßen besorgt, die Werften sehen verglichen damit schon deutlich zuversichtlicher in die nahe Zukunft.
So kletterte der Index im Schiffbau von 83,2 auf 118,2 Punkte. Fritz Horst Melsheimer, Vorsitzender der IHK Nord sowie der Handelskammer Hamburg, sieht dies vor allem in der Übernahme der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss durch die Lürssen-Gruppe begründet, die sich seiner Ansicht nach positiv auf den gesamten deutschen Schiffbau auswirkt. Auch die Übernahme der ehemaligen Nordic Werften durch die malayische Genting Gruppe, die nun unter dem Namen „MV Werften” firmieren, haben sicherlich mit ihren Aufträgen für einen positiven Impuls und eine gewisse Aufbruchstimmung gesorgt. Rund 16.000 Mitarbeiter kann die Schiffbauindustrie im Norden verzeichnen – dies entspricht dem höchsten Stand seit vier Jahren. Damit kann die Lage der heimischen Werften als „erfreulich robust” bezeichnet werden.
Leider sieht das Bild auf Seiten der Reedereien deutlich schlechter aus: Ein Ende der weltweiten Schifffahrtskrise zeichnet sich noch immer nicht ab, sowohl Charter- als auch Frachtraten stehen massiv unter Druck und führen zu Insolvenzen. Hanjin gehörte in jüngster Vergangenheit zu einer der Bedeutendsten. Melsheimer befürchtet auch in der deutschen Handelsflotte weitere Insolvenzen.