Containerschiffmarkt

Elbvertiefung – und kein Bagger in Sicht

Was am 27. Februar 2012 mit einer Anfrage des damaligen Hamburger Wirtschaftssenators Gunnar Uldall begann, sollte eigentlich endgültig am 9. Februar 2017 vom Bundesverfassungsgericht entschieden werden: die anstehende 9. Elbvertiefung. Doch „nach dem Urteil”, ist „vor dem Urteil”. Denn auch jetzt ist weiterhin kein Baubeginn zur Fahrrinnenanpassung in Sicht, da die Bundesverwaltungsrichter in Leipzig die umstrittene Elbvertiefung in Teilen für rechtswidrig erklärten. Hamburg muss seine Pläne nachbessern, den Klagen gegen die geplante Vertiefung der Elbe wurde teilweise stattgegeben. In Kurzform bedeutet das: Gebaggert werden darf noch nicht, die Schifffahrt und der Hafen Hamburg müssen sich weiter in Geduld üben – von mindestens zwei Jahren Verzögerung ist die Rede. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erstaunt es nicht wirklich, dass als Reaktion auf das Urteil der Aktienkurs der HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG) um 11 Prozent einbrach. Wie fest zumindest die Börse mit einem positiven Urteil zur Vertiefung rechnete, ließ sich an dem seit September 2016 um mehr als 40 Prozent gestiegenen Aktienkurs der HHLA ablesen.
Scheinbar unvereinbar stehen sich Vertiefungsbefürworter und -gegner gegenüber. Für die Befürworter geht es um die alles entscheidende wirtschaftliche „Schicksalsfrage” für Hamburg, für die Gegner darum, wie weit der Mensch die Natur verändern darf und wo Wirtschaftsinteressen ein Ende finden sollten.
Und verändert hat der Mensch die Elbe bereits massiv: Vor 200 Jahren war die Lebensader Hamburgs kaum einmal vier Meter tief – an ihrer tiefsten Stelle wohlgemerkt. Schon damals stellte sie damit ein Handicap für Handelsschiffe dar und lieferte im wahrsten Sinne des Wortes Grund genug für eine achtmalige Vertiefung seit 1818. Heute ist es Schiffen mit bis zu 12,5 Metern Tiefgang möglich, Hamburg unabhängig von Ebbe und Flut anzulaufen. Doch Interessenvertretern der Wirtschaft und Schifffahrt reicht dies nicht aus. Sie wollen erreichen, dass auch Containerriesen der neueren Generation mit einem Tiefgang von 13,5 Metern unabhängig von den Gezeiten den Hamburger Hafen anlaufen können. Machen sich die Schiffe darüber hinaus noch die Flut zunutze, dann wären sogar 14,5 Meter Tiefgang möglich. Aber dazu ist es nötig, den Fluss an einigen Stellen sowohl zu verbreitern als auch zu vertiefen.

Schifffahrt

Tickende Zeitbomben im Fahrwasser


Seit Jahrzehnten liegen sie auf dem Meeresgrund, sind der Korrosion durch Salzwasser und Strömung ausgesetzt und rotten vor sich hin. Sie stellen ein unkalkulierbares Risiko dar: Die Rede ist von rund 1,6 Mio. Tonnen „konventioneller Munition” – dem Erbe zweier Weltkriege – in deutschen Gewässern. Bildlich gesprochen füllen sie einen 3.000 Kilometer langen Güterzug – oder anders gesagt: Dieser Güterzug würde in seiner Länge dreimal von Hamburg bis München reichen. Entsorgt wird allerdings, um bei diesem Bild zu bleiben, lediglich ein halber Waggon pro Jahr. Mehr schaffen die Räumdienste bislang noch nicht. Das Sortiment der unter der Wasseroberfläche verborgenen Kampfstoffe reicht von Seeminen über Granaten und Torpedos bis hin zu Bomben. Je länger sie dem Meerwasser ausgesetzt sind, desto stärker erodieren sie und gefährden die Schifffahrt, Fischerei, Bergungsdienste sowie die empfindlichen Biotope von Nord- und Ostsee.
Als besonders bedrohlich sind die gut 5.000 Tonnen an hochgefährlichen chemischen Kampfstoffen einzuschätzen. Jens Sternheim, international anerkannter Fachmann für Altmunition und tätig beim Kieler Umweltministerium, beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit diesem Problem. Sternheim zufolge ist das „chemische Teufelszeug” in den ersten Nachkriegsjahren unter Aufsicht der Alliierten versenkt worden, z.B. im Kattegat oder im Bereich der dänischen Ostseeinsel Bornholm. Bis zum heutigen Tag sorgt es immer wieder für schwere Zwischenfälle in der Fischerei. Denn über all die Jahrzehnte haben Wirkstoffe wie z.B. Tabun (ein Nervenkampfstoff) nichts von ihrer tödlichen Wirkung eingebüßt. Dieses wurde damals von der deutschen Wehrmacht in Bomben und Granaten gefüllt. Und obwohl sie nicht zum Einsatz kamen, ist die Gefahr mit ihrer Versenkung nicht ausgestanden, denn die natürliche Korrosion sorgt im Laufe der Zeit für eine langsame und dennoch stetige Zersetzung ihrer Behälter.
Die noch weitaus größere Gefahr sieht Sternheim allerdings in der konventionellen Munition. „Es sind einfach die größeren Mengen.” Und diese befinden sich nicht auf hoher See, sondern vielfach auch im Nahbereich der Küsten. Zu den stark belasteten Gebieten gehört unter anderem auch die Lübecker Bucht. Doch über die sich in ihr befindliche Munition weiß man noch recht wenig – sie ist viel schlechter dokumentiert als z.B. die Kieler Bucht.

Wirtschaft

„KUNGSBACKA” oder: PET-Flaschen in der Küchenfront


Eine kleine Stadt in Schweden, südlich von Göteborg, ist der Namensgeber der neuen Küchenfronten des Möbelriesen Ikea, der bekannt ist für seine individuellen und ungewöhnlichen Produktnamen. Nur knapp 20.000 Einwohner zählt die Stadt Kungsbacka, deren Name nun des Öfteren fallen dürfte. Grund dafür ist eine innovative Küchenfront, deren Kunststofffolie höchst nachhaltig – da aus recycelten PET-Flaschen – produziert wird.
Ulf Wenzig, Nachhaltigkeitsmanager bei IKEA Deutschland, sieht in den weltweit Milliarden produzierten PET-Flaschen, deren Großteil immer noch zu Abfall wird, eine Möglichkeit zum Schritt in die „Ressourcenunabhängigkeit”. Kungsbacka nutzt neben Kunststoffflaschen auch recyceltes Holz und verhilft den Rohstoffen so zu einem „neuen, längeren Leben”. Rund 25 Halbliter-PET-Flaschen reichen bereits, um aus ihnen eine Küchenfrontfolie in der Größe von 40x80 cm herzustellen.
Die Geschichte von PET bzw. „Polyethylenterephtalat” reicht noch nicht lang zurück und geht auf eine Erfindung der beiden Engländer John Rex Whinfield und J.T. Dickson um 1940 zurück. In Zusammenarbeit mit der amerikanischen Firma Du Pont entwickelte der dort angestellte amerikanische Forscher Nathaniel Wyeth auf dieser Grundlage in den späten 1960er Jahren ein formbares Material – und schuf damit die Basis für den Siegeszug der PET-Flasche. Deren „Karriere” nahm erst 1978 in Amerika mit der Einführung der zwei Liter fassenden Coca-Cola-Flasche richtig an Fahrt auf.