Containerschiffmarkt

Die letzte Seereise

Für eine halbe Ewigkeit sind sie konzipiert, die hochseetüchtigen Schiffe, die den unwirtlichsten Gegenden sowie haushohen Wellen und Stürmen auf dem Atlantik oder Pazifik trotzen. Eine vorzeitige Demontage war in ihrem Lebenszyklus, der bei durchschnittlich 25 Jahren liegt, nicht vorgesehen – dennoch ist es genau dieses „Schicksal”, das viele Containerschiffe in der jüngeren Vergangenheit immer öfter und immer früher ereilt.
Schiffsexperte Craig Jallal aus dem Londoner Büro „Vessels Value” verfügt über Tausende von Daten der weltweiten Schiffsflotte. Kaum jemand weiß mehr über das Alter, die Größe oder den Wert der Schiffe. Immer kürzer scheint die „Lebenserwartung” zu werden, bevor sie ihre letzte Reise zur Verschrottung antreten – vor allem die der Containerschiffe. Erst vor kurzem wurde ein Containerschiff ausgemustert und nach Asien verkauft, das erst 14 Jahre im Einsatz war, und auch im Mai vergangenen Jahres berichtete Jallal von weiteren drei Schiffsverschrottungen, die ebenfalls erst 14 Jahre alt waren. Und dabei handelt es sich noch nicht einmal um die jüngsten Schiffe! Zum Teil werden bereits Schiffe abgewrackt, die noch nicht einmal ein Jahrzehnt auf dem Meer unterwegs waren. Aktuellste Beispiele dafür sind die gerade einmal zehn Jahre alte „Viktoria Wulf” mit rund 4.500 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, Abkürzug für Standardcontainer) sowie das erst sieben Jahre alte Containerschiff Hammonia Grenada (4.942 TEU). Im November letzten Jahres wurde die Viktoria Wulf in Chittagong (Bangladesch) „gebeacht”, d.h. zum Receyclen auf den Strand gefahren. Immer wieder betroffen sind auch Box-Carrier der Größen von 1.600 bis 3.000 TEU.
In den Jahren 2014 und 2015 lag das Durchschnittsalter der verschrotteten Containerschiffe noch bei 22 Jahren. Jallal sieht in der kurzen Lebensdauer der meist mittelgroßen Schiffe ein Alarmzeichen für die internationale Schifffahrt. An eine schnelle Besserung der Situation glaubt er nicht. Waren früher noch Schiffs-Charterpreise von 30.000 US-Dollar Tagesmiete normal, so liegen diese heute bei nur noch wenigen Tausend Dollar – mit denen sich kaum die Kosten für den Schiffsbetrieb decken lassen. Grund sind die Überkapazitäten in der Containerschifffahrt. In ähnlichen Situationen entschlossen sich früher die Reedereien dazu, ihre Schiffe monatelang, manchmal sogar über Jahre hinweg stillzulegen. Heute geht's statt dessen zum Verschrotter. So lange das Weltwirtschafts- und Welthandelswachstum nicht ausreicht, um die großen Flotten auszulasten, scheint auch für 2017 weiter zu gelten: Verschrottung ist das Instrument der Wahl. Die Zahlen untermauern diesen Trend: 2016 wurden 192 Containerfrachter mit einer Gesamtkapazität von über 650.000 TEU auf ihre letzte Fahrt geschickt. Eine Studie von Clarkson Research kommt sogar auf die noch höhere Zahl von 702.000 TEU. Im Jahr 2015 waren es dagegen „nur” 89 Einheiten.

Tankermarkt

OPEC plus elf


Erst Ende des vergangenen Jahres beschlossen die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) sowie elf von ihr unabhängige Länder kollektiv ein „Ende der Ölschwemme”. Hinter ihnen lag eines der schlimmsten Jahre seit Dekaden mit Ölpreisen von z.T. unter 30 US-Dollar pro Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) – kaum verwunderlich, berücksichtigt man die nahezu ungebremste Förderung, die noch im Oktober und November stattfand. Trotz der oftmals recht schwachen Disziplin der OPEC-Mitgliedsstaaten in der Vergangenheit vereinbarten diese, den Förderhahn im Jahr 2017 spürbar zuzudrehen: Eine Reduktion von täglich 1,2 Mio. Barrel wurde beschlossen. Damit, so hofften alle, dürfte der Ölpreis wieder steigen und ein „Ertrinken der Welt in Öl” abgewendet werden. Der Plan scheint aufzugehen: Bereits vor dem Jahreswechsel führte allein der Beschluss über die Kürzungen zu steigenden Preisen. Dennoch: Ein starker Rückgang der Öltransportmenge in der Tankerschifffahrt ist nicht zu erwarten, dafür reicht die beschlossene Deckelung der Ölförderung nicht aus. Die Verbraucher konnten die Auswirkungen allerdings unschwer zum Jahreswechsel beim Bezahlen an den Tankstellen feststellen.
In den ersten Wochen des neuen Jahres kletterten die Rohölpreise kontinuierlich: seit Beschlussfassung vom 30. November 2016 um rund 40 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel der Rohöl-Sorte Brent bei rund 55 US Dollar.
Wirkliches Novum und nahezu historisch ist die Entscheidung Moskaus, mit den anderen Ölförderländern zu kooperieren. Bis zum Schluss schien unklar, ob es zu einer Einigung zwischen den Erdöl exportierenden Ländern kommen würde. Die Zusicherung des russischen Energieministers Alexandr Novak, Russland würde seine Förderung ebenfalls drosseln, soll angeblich den Ausschlag gegeben haben.

Wirtschaft

Premiumziel für Investoren: Afrika


Die Schlagzeilen während der letzten Jahre waren nicht unbedingt positiv: Kriege, Krankheiten und Katastrophen erschütterten Afrika und bestimmten unser Bild des schwarzen Kontinents. Doch dieses Bild ist nicht komplett: Afrika bewegt sich wirtschaftlich nach vorn und ist weit mehr als Kaffeeproduzent und interessantes touristisches Fernziel. Von „Afrika als neuem Asien” ist bisweilen die Rede. Viele Länder nutzen diese Nische und investieren kräftig. So zeigen sich Staaten wie China, Japan und Indien an dem potentiell gigantischen Absatzmarkt interessiert. Der deutsche Mittelstand hingegen reagiert – aus verschiedene Gründen – noch etwas abwartend.
Sechzehn der derzeit am schnellsten wachsenden Ökonomien der Welt liegen in Afrika. In den afrikanischen Vorreiter-Staaten wächst die Wirtschaft laut dem Afrika-Verein der Deutschen Wirschaft schon heute dynamischer als in Asien. Angola weist bessere Wachstumsraten als China auf und lieh Portugal, seiner früheren Kolonialmacht, sogar in der Krise Geld. Forscher des Weltwirtschaftsforums rechnen mit ca. 7 Prozent durchschnittlichem jährlichen Wachstum aller afrikanischen Ökonomien. Die Prognosen des Afrika-Vereins übertreffen diese sogar noch.
Vor dem Hintergrund, dass schon jetzt rund 1,1 Milliarden Menschen auf dem afrikanischen Kontinent leben und sich diese Zahl Demographen zufolge bis zum Jahr 2050 auf über zwei Milliarden Menschen fast verdoppeln wird, wird deutlich, vor welchen Herausforderungen die afrikanischen Staaten stehen – und welch unglaubliche Chancen damit für die globalisierte Wirtschaft einhergehen. Leben derzeit „nur” 15 Prozent der gesamten Menschheit in Afrika, wird sich 2050 bereits jeder vierte Mensch der Weltbevölkerung in Afrika befinden.