Schifffahrt

Tarnumhang für Schiffe

Ein Spezial-Schiffslack soll in Zukunft dafür sorgen, Schiffsrümpfe für Mikroorganismen „unsichtbar” zu machen. Denn diese setzen den Schiffen durch ihre „Anhänglichkeit” stark zu: In einem fortlaufenden Prozess lagern sich Algen, Mikroorganismen und Muscheln an alle Flächen an, die sich unter Wasser befinden, und überwuchern sie. Dieses Phänomen, auch als sogenanntes Biofouling bekannt, beginnt fast zeitgleich mit dem „ins Wasser setzen” eines Körpers – in unserem Fall des Schiffes –und ist der heimliche Feind einer effizienten Schifffahrt. Der Bewuchs erhöht den Strömungswiderstand eines Schiffes, verlangsamt es und treibt gleichzeitig den Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent in die Höhe. Dockungen in kürzeren Zeitintervallen werden nötig, um den Rumpf vom Bewuchs zu befreien. Erfolgen die Reinigungen nicht, steigen die CO2-Emissionen, da das Schiff mehr Energie aufbringen muss, um mit gleicher Geschwindigkeit zu fahren. Unerwünschte Nebenwirkung mit Blick aufs große Ganze: beschleunigter Klimawandel. Laut Schätzungen der International Maritime Organization (IMO) verursacht Biofouling jährlich Kosten in Milliardenhöhe.
Ausgaben, die Reeder gerne einsparen würden und die sich in der Zukunft tatsächlich stark reduzieren ließen, sollte der neue Speziallack halten, was die Feldversuche versprechen. Sogenannte „amphiphile Polymere” könnten die Lösung sein. Um diese zu erzeugen, kombinierten Forscher des Unternehmens Evonik hydrophobes (wasserabstoßendes) Silikon mit einem hydrophilen (wasserliebenden) Polymer. Die wasserliebenden Bereiche des Lacks ziehen das Wasser um den Schiffsrumpf an und bilden damit eine Art Wasserhülle, die den Rumpf tarnt, so dass er von den Organismen nicht entdeckt wird. Der Wechsel der wasserliebenden mit den wasserabweisenden Bereichen verwirrt die Kleinstlebewesen, so dass sie die Oberfläche des Schiffes nicht mehr vom Meerwasser unterscheiden können.
Sollten sich dennoch ein paar besonders pfiffige Mikroorganismen an den Rumpf verirren, sorgt eine „Easy-to-clean-Funktion” für Abhilfe, denn der Lack besitzt Antihaftwirkung. Bereits bei einer geringen Geschwindigkeit reicht der Wasserstrom aus, um die „lockeren Anhängsel” wieder abzulösen. Dieser rein physikalische Prozess ist dabei um ein Vielfaches sinnvoller und umweltfreundlicher als die früher lange Zeit eingesetzten Antifouling-Beschichtungen, die den Bewuchs töteten, dabei allerdings auch permanent toxische Stoffe (Biozide) in das Wasser abgaben. Eine der bekanntesten Verbindungen solcher Beschichtungen ist das Tributylzinn (TBT), dessen Einsatz allerdings seit 2008 international verboten ist, da seine Inhaltsstoffe hochgiftig sind, lange in der Umwelt verbleiben und sich hormonell auf Wasserlebewesen auswirken.

Tankermarkt

Mit Zauberwatte gegen Ölkatastrophen

Aus Fehlern lernt man – wie oft hat man diesen Satz schon gehört? Doch aus Fehlern lernt man nicht nur. Manchmal ist ein Fehler sogar die Grundlage einer großen Erfindung. So auch bei Pure, der „Zauberwatte” von Deurex. Sie gibt Hoffnung, dass folgenschwere Ölkatastrophen, die z.B. durch marode Pipelines, Explosionen auf Bohrinseln oder havarierte Tanker ausgelöst werden, zukünftig schneller und effektiver bekämpft werden können als bisher.
Zur bahnbrechenden Zufalls-„Erfindung” kam es im Jahr 2010, als ein Mitarbeiter der Chemiefirma aus Sachsen-Anhalt im Rahmen eines Versuches Druck und Temperatur verwechselte und die Maschine über Nacht laufen ließ. Das Ergebnis konnten die Angestellten in Form von rund 10 Tonnen einer watteähnlichen Substanz bewundern, die am nächsten Morgen über den gesamten Fabrikboden verteilt war. Ein Missgeschick, das sich als Glücksfall für die Umwelt entpuppte...
Auf die Idee, aus der fehlproduzierten Watte einen Schwamm für Öl zu machen, kam der deutsche Chemiker Günter Hufschmid anlässlich des Unfalls auf der Ölplattform Deepwater Horizon. Hufschmid beschloss zu prüfen, ob die Watte in der Lage sei, Öl aufzusaugen. Das Ergebnis war verblüffend und übertraf andere Produkte gleich in mehrfacher Hinsicht: Pure ist nämlich in der Lage, das rund siebenfache ihres Eigengewichtes an Öl aufzunehmen und ist anschließend sogar wiederverwendbar: zwischen drei bis vier Mal. Ihr hohes Absorptionsverhältnis reduziert die Abfallmenge und macht auf diese Weise ihre Produktion ökonomischer.

Flüssiggastankermarkt

Auf CO2 gebettet

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Sollte es möglich sein, aus dem Klimakiller Kohlendioxid (CO2) tatsächlich so etwas wie einen „nützlichen Rohstoff” machen zu können? Und noch ein bisschen utopischer: einen, auf dem in Zukunft die Menschen schlafen werden?
Dass diese Vision gar nicht so abwegig ist, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag, ließ bereits eine Konferenz im Jahre 2012 in Essen vermuten, bei der Experten aus Wissenschaft und Technik zusammenkamen, um über CO2 als potentiellen Rohstoff der Zukunft zu diskutieren.
Vier Jahre später nutzte ein Chemiekonzern das Klimagas, das als Abfallprodukt eines benachbarten Ammoniakherstellers anfiel, erstmals im industriellen Maßstab als Rohstoff. Die Bayer-Tochter Covestro setzte Kohlendioxid zur Herstellung eines Schaumstoffes für Matratzen und Polstermöbel ein. In ihrem Werk in Dormagen steht damit die erste Anlage in Deutschland, die CO2 als Ausgangsstoff für die Produktion von Kunststoff nutzt und dieses so dauerhaft bindet. Avisiert ist ein Durchsatz von 5.000 Tonnen pro Jahr.